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Chapter 28 by rallebonn

Rainer trat langsam um das Gestell herum. Seine Bewegungen waren ruhig und sorgfältig, fast zu kontrolliert. Er nahm meine rechte Hand, führte sie ohne Hast an eine feste Position und wiederholte dasselbe mit der linken. Ich spürte, wie mir die Enge des Augenblicks bewusst wurde. Mein Körper war nach vorn gerichtet, mein Blick gezwungen, geradeaus zu gehen. Dann berührte er mein Haar, ordnete es mit einer beinahe sanften Geste und hielt es so zurück, dass ich mich nicht mehr abwenden konnte. „Es fühlt sich jetzt unangenehm an“, sagte er leise und lächelte, „aber vieles wird leichter, wenn man aufhört, dagegen anzukämpfen.“ Seine Worte klangen ruhig, doch gerade diese Ruhe machte sie schwer. Ich versuchte, ruhig zu atmen, während ich spürte, dass jeder meiner kleinen Widerstände längst Teil seines Spiels geworden war.

„Erinnerst du dich an den älteren Herrn im Theater?“, fragte Rainer plötzlich. „Den, bei dem du meintest, er wirke unheimlich?“ Ich nickte nur. Meine Kehle war trocken. „Ja“, sagte ich leise. Rainer beobachtete mich genau, als wolle er jede Regung in meinem Gesicht lesen. „Er erinnert sich ebenfalls an dich.“ Für einen Moment wurde der Raum still. Ich wusste nicht, ob ich etwas sagen sollte, und gerade dieses Nichtwissen machte mich hilflos. „Du kannst Nein sagen“, fügte Rainer hinzu, doch seine Stimme verriet nicht, ob er wirklich mit einem Nein rechnete. Dann hörte ich, wie sich hinter mir die Tür öffnete. Schritte näherten sich langsam. Eine fremde Stimme sagte: „Sie ist ja noch eindrucksvoller, als ich sie in Erinnerung hatte.“ Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken, und ich begriff, dass die eigentliche Prüfung gerade erst begann.

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